Erster UX Leadership Workshop in Zürich

März 2021, Hannes Unger

Das Europäisches UX Leadership Netzwerk wurde im März 2020 von Christian Hauri (Hauri Ergonomie & Coaching), Hannes Unger (KnowGravity) sowie Eddie Rich und Hendrik von Spreckelsen in Lenzerheide, Schweiz gegründet. Es verfolgt das ehrgeizige Ziel, durch den Aufbau eines europaweiten Netzwerks von UX Führungskräften den Einfluss des User Experience Denkens in der Wirtschaft gesamthaft deutlich zu erhöhen.

Am 4. und 5. März 2021 nahmen 22 UX Leader aus verschiedenen Unternehmen (D + CH) am ersten UX Leadership Workshop des European UX Leadership Networks teil. Die Moderatoren Christian Hauri (Hauri Ergonomie & Coaching) und Hannes Unger (KnowGravity) führten die Teilnehmenden durch die zwei intensiven und inspirierenden Tage. Insgesamt 5 Speakers hielten Lightning-Talks zu absoluten Schlüsselthemen des UX Leadership, welche jeweils den Auftakt von themenbezogenen Workshops bildeten.  

2021, year 2 of the Corona pandemic, enforces new ways of collaboration

Gemäss der Prinzipien des EUXL Networks («no bullshit, real-life content», siehe auch: https://www.uxleadership.eu.com/master-class) tauschten die UX Leader im ersten Teil der Veranstaltung den Stand ihrer eigenen Unternehmen bezüglich der Entwicklung von UX aus. Dabei kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass trotz der Heterogenität der repräsentierten Unternehmen bezüglich Grösse und Branchen sich doch viele ähnliche Herausforderungen stellen. So reichen oft die Ressourcen von UX Spezialisten nicht aus, um die Nachfrage im Unternehmen zu decken. Neben der operativen Arbeit in der digitalen Produktentwicklung bleibt zu wenig Zeit und Energie, um den Reifegrad der UX Organisation systematisch weiterzuentwickeln. Auch die Institutionalisierungs-Bestrebungen bzgl. Prozesse, Standards und Kulturentwicklung verlaufen häufig schleppend und reibungsbehaftet. Der sehr lebhafte Austausch offenbarte den gemeinsamen Erfahrungs-Horizont, zeigte dass Diskussions- und Handlungsbedarf vorhanden sind und motivierte für eine gemeinsame Suche nach Lösungsstrategien.

Insights aus den Talks

Markus Flückiger zeigte auf, dass ein UX Leader andere Fähigkeiten benötigt als ein UX Designer. So muss er zum Beispiel Business Modelle verstehen können und die Kommunikation auf C-Level beherrschen. Die Fähigkeit Strategien und Taktiken zu entwickeln, um sein Unternehmen zu bewegen, User-zentriert zu denken und zu handeln muss mit dem Vermögen einhergehen, interdisziplinäre Teams zu formen und zu inspirieren.

Im Talk von Henning Brau wurde klar, dass UX ein wertschöpfender Teil innerhalb der Business Strategie werden muss. Damit wird zunächst die Frage nach dem WHY beantwortet. Die Auswahl und Anwendung eines geeigneten UX Reifemodells zeigt, wo wir stehen und was wir zu tun haben, um den nächsten Reifegrad zu erreichen. Dann benötigen wir eine UX Strategie, die definiert, wie wir UX umsetzen und den nächsten Schritt bewältigen wollen. UX Produkte KPIs und Customer-Journey KPIs helfen uns, den Erfolg zu messen.

Marcel Altherr zeigte moderne und agile Führungsstrategien auf und befeuerte die Diskussion, warum UX in vielen Unternehmen nicht auf C-Level vorkommt. In dynamischen Teams wurden dann Massnahmen erörtert und bewertet, wie die UX Denkweise effektiv und nachhaltig auf C-Level verankert werden kann.

Daniel Boos zeigte am Beispiel der SBB auf, wie Communities im Themenumfeld von UX aufgebaut und gepflegt werden können und welche fördernde Wirkung sie auf die UX Kultur einer Organisation haben können. Die Arbeit in den dynamischen Teams fokussierte dann vor allem auf die practice learnings aus dem Beispiel-Case und deren Anwendbarkeit auf die Cases der Teilnehmer.

Bernhard von Allmen’s Talk „S-Curve – was brauchen wir, um UX zu skalieren?“ illustrierte den Weg, um UX Teams zu entwickeln: Zuerst sind die Werte zu finden, die UX für das Unternehmen schaffen kann, darin sind dann klare Prioritäten zu setzen. Darauf basierend bestimmen wir die Kernfähigkeiten unserer UX Teams, definieren die Arbeitsweise und KPIs und zuletzt die Tools und Modelle, die wir für die Weiterentwicklung von UX benötigen.

Feedback der Teilnehmer

In der Retrospektive des Workshops lagen die Feedbacks der Teilnehmer zwischen hoher Zufriedenheit und Begeisterung – insbesondere der lebendige Austausch und die spannenden und hochwertigen Talks erhielten eine sehr hohe Wertschätzung. Als Learning nehmen wir mit, dass die Arbeit an den individuellen Cases etwas zu kurz gekommen ist. Bei der Planung der kommenden Workshops wird diese Erkenntnis entsprechend berücksichtigt werden.

Die zwei intensiven, aufschlussreichen und inspirierenden Tage machten Lust auf den nächsten Workshop, für welchen bereits gemeinsam eine Themensammlung angelegt wurde. Dieser Folgeworkshop wird voraussichtlich im September 2021 stattfinden – hoffentlich dann gemeinsam vor Ort.